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17.01.2019
Kategorie: Zeitungsberichte

Auszeichnungen für ehrenamtliches Engagement

Bürgermedaille in Silber für Günther Fuchs und Wilfried Böhmer


Die beiden neuen Träger der Bürgermedaille in Silber, Günther Fuchs und Wilfried Böhmer (sitzend li. u. re.) tragen sich in das Goldene Buch derGemeinde Altdorf im Beisein zahlreicher Ehrengäste ein.

Günther Fuchs

Wilfried Böhmer

Übergabe der Medaille mit Urkunde an Günther Fuchs

Wilfried Böhmer erhält Medaille in Silber und Urkunde

Percussion und Trompeten bildeten den musikalischen Rahmen

Altdorf.  Im Rahmen des diesjährigen Jahresempfangs der Marktgemeinde im Bürgersaal  wurden Wilfried Böhmer und Günther Fuchs für ihr langjähriges und vielseitiges ehrenamtliches Wirken geehrt.

„Im großen Umfang waren und sind es die ehrenamtlich Tätigen, die sich hier im Besonderen zum Wohle der Allgemeinheit einbrachten und einbringen. Ohne sie wäre Vieles nicht möglich“, betonte Bürgermeister Helmut Maier bereits bei seiner Begrüßung der zahlreichen Gäste zum Jahresempfang 2019, der musikalisch mit bestens ausgewählten Beiträgen vom Leiter der Villa Musica, dem Percussionisten Andreas Csok und den Trompetern Christine Westermair und Matthias Schäffer grandios umrahmt wurde. „Die ehrenamtlich Tätigen haben vielfach eines gemeinsam, sie tun Gutes und wollen nicht, dass darüber geredet wird. Sie arbeiten und agieren am liebsten im Verborgenen, sie halten es für nicht so wichtig, über ihr Tun zu sprechen – sie handeln lieber!“, lobte das Gemeindeoberhaupt.

Da beide Geehrten sich neben anderem Wirken besonders für die Partnerschaften mit den Nachbarländern Österreich und Italien verdient gemacht haben, stellte die stellvertretende Landrätin Christel Engelhard den Gedanken für ein Europa in Frieden und gegenseiteigen Respekt in den Mittelpunkt ihres Grußwortes. „Die Weiterentwicklung der europäischen Union darf nicht auf geopolitischen Überlegungen beruhen. Die Weiterentwicklung muss vielmehr im Inneren stattfinden, wobei trotz der kulturellen Unterschiedlichkeiten der Länder das gemeinsame Ideal eines friedlichen und freiheitlichen und solidarischen Europas im Vordergrund stehen muss“, betonte Engelhard. Diese Ideale trügen die zu ehrenden seit Jahrzehnten durch ihren unermüdlichen  Einsatz weiter, wofür ihnen auch der Dank des Landkreises gebühre.

Günther Fuchs, langjähriger Vorsitzender des Partnerschaftsvereins und leidenschaftlicher Musikliebhaber (Foto dazu im Anhang)

„Dein großes ehrenamtliches Engagement wurde durch deine Leidenschaft zur Musik geprägt“, meinte Bürgermeister Helmut Maier in seiner Laudatio einleitend. So war der Geehrte schon als etwa Siebenjähriger im Jugendsingkreis Deggendorf aktiv. Im Jahre 1973 war die Gründung der Altdorfer Stubnmusi , die er auch über zehn Jahre leitete, ein weiterer Meilenstein seines musikalischen Lebens. 1974 war Fuchs Begründer und danach acht Jahre lang Organisator und Leiter des Altdorfer Adventssingens, das bis heute die Bevölkerung begeistert. Seit Jahren, seit 1983, singt er zudem im Ergoldinger Männerchor, seit 2000 im Altdorfer Kirchenchor und schon über zwanzig Jahre im Europachor Landshut.

Nachdem im Jahre 1998 die kommunale Gemeindepartnerschaft mit San Vito di Leguzzano besiegelt wurde, hat Fuchs als überzeugter Europäer im Jahr 2000 den Partnerschaftsverein nicht nur mitbegründet, sondern dann auch zwölf Jahre lang als Vereinsvorsitzender die Partnerschaften zu San Vito und Pinsdorf nicht nur gepflegt, sondern ausgebaut und zu dem gemacht, was sie heute mit Leben erfüllt. Dieses Ziel verfolgt er auch jetzt noch als deren Ehrenvorsitzender weiter.

Aber auch die Übernahme staatsbürgerlicher Aufgaben waren für Günther Fuchs selbstverständlich. So war er in verschiedenen Gerichten als ehrenamtlicher Richter bei Entscheidungen und Urteilen mit verantwortlich. So von 1990 bis 2005 beim Finanzgericht München und von 2008 bis 2014 am Landgericht Landshut.

Wilfried Böhmer, Künstler und Mitinitiator der Partnerschaft zur italienischen Gemeinde San Vito di Leguzzano

Der in Hamburg gebürtige 77-jährige Diplom Ingenieur der Elektrotechnik und Künstler ist neben Georg Reif der Mitinitiator der Gemeindenpartnerschaft mit San Vito in Italien. Nach der Flucht seiner Mutter mit ihm in den Kriegswirren des Jahres 1943 kam Wilfried Böhmer nach Niederbayern, wo er zunächst in der Niederaichbacherau aufwuchs. Sein Vater, einst Solotänzer an der Hamburger Staatsoper gründete nach seiner Entlassung aus dänischer Kriegsgefangenschaft die erste Ballettschule in Landshut. Daher stammt auch Böhmers Liebe zum Tanz, die sich darin zeigte, dass er bei der Landshuter Hochzeit von 1959 bis 1965 Mitglied der Polentanzgruppe war und in den Jahren von 1980 bis 2001 aktiv beim Fürstentanz mitwirkte.

Böhmers Begeisterung für Drechselarbeiten, so der zweite Bürgermeister Georg Wild in seiner Lobrede, entstand auch Mitte der fünfziger Jahre und die begleitet ihn noch heute. Später kam noch die Freude an  der Silber-Schmuckgestaltung zum schöpferischen Leben des Geehrten hinzu und zusammen mit Georg Reif wuchs der Gedanke zur Gründung einer Künstlergruppe, die dann 1984 tatsächlich auch entstand. Seit 1985 bereichert nun die Ausstellung dieser „Altdorfer Gruppe“ alljährlich in der Marktgemeinde das vorweihnachtliche kulturelle Geschehen. In der Zwischenzeit kamen auf Böhmers Initiative auch Gastaussteller aus den beiden Partnergemeinden nach Altdorf.

Auch nach der Entstehung einer Partnerschaft mit der italienischen Gemeinde San Vito, an der Böhmer maßgeblich mitbeteiligt war, war er Gründungsmitglied des Partnerschaftsvereins und somit unterstützt er seit zwanzig Jahren diese Freundschaft, wofür er bereits im letzten Jahr eine eigene Ehrung entgegennehmen durfte

Neben all diesen Tätigkeiten übernahm Böhmer 1981 das Amt des Lektors in der Landshuter Pfarrkirche St. Nikola und wurde zwei Jahre später dort auch als Kommunionhelfer engagiert. Durch die Wahl in den dortigen Pfarrgemeinderat wurde sein ehrenamtliches Engagement in der Kirche vervollständigt, 16 Jahre lang war er Pfarrgemeinderatsvorsitzender und erst im Jahr 2018 schied er nach 28-jähriger Tätigkeit dort aus eigenem Wunsch aus.

Aufgrund seines vielfältigen ehrenamtlichen Einsatzes verlieh die Staatsregierung 2006 Wilfried Böhmer das Ehrenzeichen des bayerischen Ministerpräsidenten für Verdienste im Ehrenamt.

Peter W. Fuhrmann